Sonderkonzert »Pult an Pult« (GA 29.09.2025)
Von: Barbara Czernek
Mitglieder des Kammerorchesters der Musikschule musizierten gemeinsam mit den Profis des Philharmonischen Orchesters auf der Bühne des Gießener Stadttheaters.
Gießen. Was für ein Anblick: Die Mitglieder des Kammerorchesters der Musikschule saßen gemeinsam mit den Profis des Philharmonischen Orchesters auf der Bühne des Stadttheaters und gestalteten gemeinsam das Sonderkonzert »Pult an Pult«.
Von Beginn an verschmolzen die beiden Ensembles dabei zu einem einzigen Klangkörper. Unterscheidbar waren sie optisch: Die jungen Talente hatten weiße Oberteile an, während die Musiker des Stadttheaters gänzlich in Schwarz gekleidet waren. Am Dirigat wechselten sich Generalmusikdirektor Andreas Schüller und Chordirektor Moritz Laurer ab, die jeweils informative Hinweise zu den gespielten Komponisten und den einzelnen Stücken gaben.
Den Auftakt bildeten zwei Slawische Tänze von Antonín Dvorák, die unter dem temperamentvollen Dirigat Schüllers präzise und kraftvoll klangen. Mit einem Ausschnitt aus »Rosamunde« von Franz Schubert und viel Streichereinsatz wurde es anschließend romantisch. Für die klar intonierten Soloeinlagen erhielten die Schülerinnen Maria-Helén Gärtner (Oboe) und Nakita Kovalchuk (Klarinette) zu Recht viel Lob.
Zwar lag der Fokus des Abends vor allem auf dem Zusammenwirken von Schülern und Erwachsenen. Doch mit den Gesangsdarbietungen von Tenor Oliver Gaßmann und Sopranistin Diana Iancu wurde auch einem weiteren, wichtigen Feld der Ausbildung in der Musikschule Raum gegeben. Unter der Klavierbegleitung von Moritz Laurer starteten sie mit dem klassischen Duett »Mira la bianca luna« aus Rossinis Oper »Les soirees musicales«. Es folgte Leonard Bernsteins »Lonely town« aus dem Musical »On the town«, das von Gaßmann solistisch fortgeführt wurde. Iancu setzte mit dem rotzigen »Tough lover« von Blues-Queen Etta James noch eines drauf, bevor nach der Pause die Höhepunkte des Konzerts folgten.
Ein Jahr lang vorbereitet
Zum einen die »Simple Symphony« von Benjamin Britten, die sich aber entgegen des Titels alles andere als einfach gestaltete. Die ausgelassene Bourrée, das verspielte Pizzicato, aber auch die sentimentale Sarabande und das kraftvolle »Frolicsome Finale« erforderten Feingefühl und Fingerfertigkeit. Die Schüler zeigten beides. Den Abschluss bildete Jean Sibelius’ »Finnlandia«, die heimliche Nationalhymne Finnlands, deren Melodik klar und mitreißend erklang.
Strahlende Gesichter und lang anhaltender Applaus waren der Lohn für die Musikschüler des Kammerorchesters, die sich intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet hatten. Seit März wurde an dem Programm gearbeitet, wie Martin Gärtner verriet, der den Nachwuchs in den Proben anleitete. Paula Brand, die Konzertmeisterin des Kammerorchesters, wurde von Laurer dazu befragt. »Es macht so viel Spaß, sich an die Profimusiker dranzuhängen und mitzuspielen«, bekannte sie. Vergessen war der teilweise mühsame Weg bis zum strahlenden Ergebnis.
Mit diesem Konzert wurde eine langjährige Zusammenarbeit zwischen der Musikschule und dem Stadttheater neu belebt. Daran erinnerte Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher in seiner Begrüßungsrede. Bereits zwischen 2008 und 2010 hatte die Ausbildungsstätte gemeinsame Kinderopernprojekte durchgeführt. Ein sinfonisches Konzert, bei dem die Schüler auch kleine solistische Parts übernehmen durften, war dagegen nun eine Premiere. Katja Marauhn, Leiterin der kommunale Musikschule, erinnerte daran, dass die Schüler seit einem Jahr an der Aufgabe gearbeitet haben, und dankte den Profis, »dass Sie diese wunderbare Erfahrung vermittelt haben«. Auch seitens der Orchesterleitung fiel das Urteil durchweg positiv aus. GMD Andreas Schüller stellte gar eine Wiederholung in Aussicht.