Kunst aus weiblicher Sicht
„KlangFarben der Frauen“ lautete das Motto des Konzertes der Musikschule Gießen, in dem sich Musik, Malerei und Lyrik zu einem stimmigen Gesamtkonzept ergänzten.
Schon lange hatte Klavierlehrerin Jenniver Müller ihre Ideen zu dieser Veranstaltung entwickelt und nun gemeinsam mit ihren Kolleginnen Olga Chachalina, Nadja Eisenberg, Susanne Oehler, Gabriela Tasnadi und Regina Wendt eindrucksvoll umsetzen können. So erklangen Werke von Komponistinnen, während gleichzeitig per Projektion Bilder von Malerinnen wie z.B. Berte Morisot, Gabriele Münter, Verena Loewensberg oder Giorgia O’Keeffe auf der Leinwand erschienen.
Die beteiligten Schülerinnen und Schüler von 6 Jahren bis zum Erwachsenenalter hatten – mit Schwerpunkt auf der Literatur für Klavier – Werke aus dem späten 19. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Stücken vorbereitet, wobei vor allem eher unbekannte Komponistinnen zu entdecken waren.
Für die Jüngeren waren es Werke mit pädagogischer Ausrichtung, z.B. von Karen Tanaka, Oxana Krut oder Martha Mier. Die Fortgeschrittenen spielten anspruchsvolle Kompositionen, so Paulina Tomoris das Impromptu op. 11 von Mel Bonis oder Dania Loh den Valse von Marie Jaell.
Aber auch andere Instrumente waren zu hören, dabei war die Querflöte gleich dreimal vertreten: Sophie Hetfleisch mit „The Wounded Bird“ von Marlaena Kessik, Tamina Loh mit Piece op. 189 von Mel Bonis und Johanna Heinecke mit dem sehr virtuosen und sicher gespielten Concertino von Cecile Chaminade. Florian Smarsly steuert auf dem Cello jazzige Töne bei: „Sometimes Maybe“ von Pam Wedgwood. Erstaunlich waren auch die Eigenkompositionen von Schülerinnen. Anouk Deventer sang ihre eigenen Songs „The one“ und „Angels“, und Christina Schleufe beeindruckte mit ihrem emotionalen Klavierwerk „Polarnacht“.
Der Vortrag von Gedichten bekannter Lyrikerinnen wie Nelly Sachs, Mascha Kaleko und Else Laske Schüler rundete die abwechslungsreiche Veranstaltung ab. Besonders das Gedicht „Mädchenklage“ von Magdalene Philippine Engelhardt spiegelte die gesellschaftlichen Zwänge wieder, denen die Künstlerinnen unterworfen waren: „Wie frey gehn die Männer! selbst Knabe und Knecht“ oder „O wär ich ein freyer und fröhlicher Mann!“