Die kleinen und großen Sänger der Musikschule zeigten im Levi-Saal ihr Können. Foto: Seiwald

Unterwegs im musikalischen Märchenwald (Gießener Anzeiger)

vom 10.12.2018

Kommunale Musikschule Gießen mit Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel" zweimal im Levi-Saal


GIESSEN (red). Einen großen Erfolg konnte die kommunale Musikschule Gießen mit der Aufführung der Oper „Hänsel und Gretel" verbuchen. Gesangspädagogin Gabriela Tasnadi hatte das Werk am vergangenen Wochenende zweimal auf die Bühne gebracht, und das Publikum im ausverkauften Hermann-Levi-Saal war begeistert. Die Komposition Engelbert Humperdincks, zusammen mit dem Libretto seiner Schwester Adelheid Wette, ursprünglich als Stück für den eigenen Familienkreis gedacht, wurde ohnehin nach der Uraufführung 1893 zur bekanntesten und erfolgreichsten Märchenoper aller Zeiten.
Die Aufführung der Musikschule war konzipiert als „Oper am Klavier"‚ dabei meisterte Pianist Hermann Wilhelmi den Klavierauszug souverän und lieferte den Sängerinnen und Sängern eine zuverlässige Begleitung. Die Schüler Tasnadis überzeugten in ihren Rollen sowohl sängerisch als auch szenisch und waren außerordentlich gut vorbereitet. Die Hosenrolle des Hänsel schien Marielle Bilderbeek geradezu auf den Leib geschneidert zu sein, mit großem Ausdruck und stimmlich glänzend disponiert, agierte sie mit Witz und Humor. Als Gretel brachte Elisabeth Haag die anspruchsvolle Partie auch in den hohen Lagen mit klarer Stimme und allen Facetten von Fröh lichkeit bis Angst zum Ausdruck.
Anrührend war der Abendsegen der beiden am Ende des zweiten Bildes. Von der ersten Sekunde seines Auftritts an stimmlich präsent war Filipp Schuffert als Vater Peter mit sonorem Ton und differenziertem Ausdruck. Gertrud, die Mutter, war mit Anke Haas besetzt, der einzigen professionellen Sängerin auf der Bühne, einer ehemaligen Schülerin Tasnadis. Glänzend ihre musikalische und szenische Darstellung der wütenden, verzweifelten Frau, die ihre Kinder zwar liebt, aber von der Situation überfordert ist und sie daher in den Wald schickt.
Wunderschön anzuhören waren Hannah Gabrich als Sandmann und Rebecca Horlacher als Taumann, beide mit klarer Stimme und hervorragender Intonation. Grandios dann im dritten Bild derAuftritt der Hexe, verkörpert von Lea Schubert. Variabel in der Stimme mit den verschiedensten Tonfällen von süßlich, wütend bis gruselig, agierte sie so eindrucksvoll, dass das ganze Publikum dem Geschehen gebannt folgte. Am Ende geht die Geschichte bekanntermaßen gut aus, und der Kinder- und Jugendchor der Musikschule hatte mit „Erlöst, Befreit" als entzauberte Lebkuchen seinen auch musikalisch überzeugenden Auftritt.
Begeisterter Applaus des Publikums zum Schluss, nicht nur für die Akteure auf der Bühne, sondern auch für Ton und Licht von Antonius Idvorean und für Gabriela Tasnadis souveräne Gesamtleitung.