Einen bunten Streifzug durch die Welt des Musicals bot die Klasse der Gießener Musikschule von Gabriela Tasnadi. Als „Generalprobe vor Publikum“ stellten die Teilnehmer des in Kürze stattfindenden Wettbewerbes „Jugend musiziert“ am Samstagabend im Konzertsaal des Rathauses schon einmal ihr Können unter Beweis. Selina Kötter (Mezzosopran), Lea Pradella (Alt) und Yannick Bernsdorff (Tenor) sind die Teilnehmer in diesem Jahr. Und wer das Konzert verfolgte, dem war auch bewusst, dass hier ausgezeichnete junge Sänger antreten werden, die gute Chancen auf eine Auszeichnung haben werden. Und nicht nur gesanglich stellten die jungen Künstler ihr Können unter Beweis, ausdrucksstark und mit großartigem Mienenspiel zeigte sich auch das eine oder andere schauspielerische Talent. Den Anfang machte Selina Kötter. Von Mozarts „Irgendwo wird immer getanzt“ über „My fair Lady“ wurde es bei „Big Spender“ von Cy Coleman richtig akrobatisch (linkes Bild). Mit Zylinder, Tanzeinlage und einem abschließenden Spagat zog die Sängerin das Publikum in ihren Bann. Der Monolog „Die geliebte Stimme“ von Jean Cocteau rundete den großartigen Auftritt ab. Aber auch die nachfolgenden Künstler standen dem in nichts nach. Lea Pradella überzeugte mit ihrer vollen Altstimme vor allem mit „Rebecca“ aus dem gleichnamigen Musical und mit einer Glanzleistung zu „All that Jazz“ aus Chicago mit Feder-Boa und „verführerischer Show“. Yannick Bernsdorff brachte mit der „Unstillbaren Gier“ eine solch ausdrucksstarke Darbietung, dass man fast Angst hatte, er würde als Vampir ins Publikum stürzen. Der zog es allerdings in seiner nächsten Darbietung vor, eine grandiose Travestie-Darbietung auf die Bühne zu bringen (rechtes Bild). Mit blonden Löckchen, hautengem Kleid und einer gesanglichen Höchstleistung von „Sweet Transvestite“ aus der „Rocky Horror Show“ amüsierte er das Publikum aufs Beste. Neben den drei Teilnehmern von „Jugend musiziert“ zeigten aber auch einige andere Schüler ihr Können. Charline Klar am Klavier harmonierte mit Hannah Wörner (Violoncello) von Hindemith bis Hugo Schlemüller. Tenor Michael Higgs brachte mit Schuberts Winterreise den Winter zurück. Als jüngste Interpretin stand Tina Vollendorf mit „Mama, wo bist du“ aus dem Musical Elisabeth auf der Bühne. Marielle Bilderbeck erweckte mit ihrem Mezzosopran Orchideen zum Leben mit „Sie ergibt sich nicht“ aus „Rebecca“. Als weiterer Teil bot sich noch eine wohlgewählte Mischung aus Liedern und Arien von Schubert, Bizet, Rossini, Mozart, aber auch Songs von Coleman, Levay. Schönberg, Steinmann, Loewe, gesungen von Tenor Paul Herdt, Katharina Sahmland (Sopran) und Denis Achenbach (Bass). Am Klavier begleitete Hermann Wilhelmi. Ein abwechslungsreicher Abend, der weit mehr bot, als eine „Generalprobe vor Publikum“, sondern ein Konzert, das in Erinnerung bleiben wird. ies/Fotos: Friese
© Gießener Anzeiger 2011 URL: http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kultur/11595606.htm

