Engagiert und konzentriert: Musiksch├╝lerin Karolina Zinn. (Foto:Schultz)

Kein schlechter Anlass f├╝r eine Kooperation

vom 18.12.2019

die Musikschulen Gie├čen und Wetzlar widmeten sich im Levi-Saal Klavierst├╝cken von Beethoven (Gie├čener Anzeiger)

Von Heiner Schultz
GIESSEN. Einen etwas anderen Einstieg ins Beethovenjahr erlebten am Sonntag die Besucher im Levi-Saal des Rathauses. Die Musikschulen Gie├čen und Wetzlar pr├Ąsentierten einen ├ťberblick ├╝ber die Leistungen ihres Nachwuchses mit Werken des vor knapp 250 Jahren geborenen Jubilars. Der ├ťberblick erwies sich als ebenso interessant wie anr├╝hrend.
17 junge Leute sowie ein Lehrer und Begleiter der Wetzlarer Musikschule waren zu h├Âren. Den Beginn bestritten die ganz jungen Akteure mit kurzen einfachen, zumeist Tanzst├╝cken. Man konnte gleichsam die Lernschritte betrachten, die die Kleinen bislang hinter sich gebracht hatten. Was noch etwas ungelenk war, lie├č jedoch schon ahnen, wohin sich das Ganze entwickeln kann. Konzentriert wurde da gearbeitet, und man sp├╝rte die Anstrengung der jungen Musiker. Zugleich zeigte sich auch der Wille zum Lernen, gelungen waren die Leistungen von Karolina Zinn, Maria Sophie Schmidt, und Oleg Urmann. Der ├Ąlteste von ihnen spielte kraftvoll auf, sicher und fl├╝ssig. Ein kleiner Rumpler, v├Âllig normal, brachte ihn nicht aus der Ruhe; ├ťberhaupt waren die Akteure nicht aus dem Konzept zu bringen: Falls es mal hakte, wurde entweder fl├╝ssig weitergespielt oder resolut neu angesetzt. Eshakte aber selten.

Das erste Glanzlicht z├╝ndete Maria Tschumatschenko. Sie musizierte die Contredanse Nr. 5 mit klarem Ausdruck und Gef├╝hl. Richtig r├Ąumte dann Karlotta F├╝llkrug ab. Ihre charmante Umsetzung von ÔÇ×F├╝r Elise" geriet gewandt, mit deutlichem Ausdruck und auf offenkundig h├Âherem Kenntnisstand. Frei, fast elegant spielte Salma Ashoub auf und realisierte die ÔÇ×Sechs Ecossaises" 83 zun├Ąchst dynamisch gestaltet, dann robust.
Die l├Ąngere Lerndauer lie├č das Niveau steil ansteigen: die Zuh├Ârer erlebten eine musikalische Zeitreise vom Beginn des Klavierspielens bis in betr├Ąchtliche H├Âhen. Felicia Voina (Violine) und Christian Krieger am Klavier machten das deutlich. Mit merkbarer Sicherheit und etwas schmalem Aus-dr├╝ck musizierten sie h├Âchst achtbar das Rondo 0-Dur Nr. 41 op. 81. Alina Gur vermittelte klaren Ausdruck beim Menuett in G-Dur op. 10 Nr. 2. Kristina Muschinski spielte fl├╝ssig und differenziert die ÔÇ×Bagatelle g-Moll op. 119 Nr. 1, ein Glanzlicht.
Mit den letzten vier Teilnehmern begann dann eine andere musikalische Dimension. Richtig gut pr├Ąsentierte Valerij Tschumatschenko den ersten Satz aus der Sonate c-Moll op. 10 Nr. 1, das Allegro con brio. Genau das legte er auch in sein Spiel, welches er mit feurigen Start anlegte. Dynamik und Klang wurden bewusst gestaltet. Auch Fabian Drolsbach (Gie├čen, 1. Satz aus der Sonate Grande pathtique c-Moll op. 13), Kristina Mamberger (Wetzlar, 2 S├Ątze aus der Sonate C-Dur op. 53) und besonders ├╝berzeugend Alexandra Melnik (Wetzlar, 32 Variationen c-Moll, WoO 80), agierten engagiert, sicher und in pers├Ânlicher Auseinandersetzung mit dem Werk. Bei allen war bereits die konkrete Atmosph├Ąre der Musik sp├╝rbar, die Herstellung begann, in den Hintergrund zu treten. Zum Abschluss stellte Wigbert Traxler von der Wetzlarer Musikschule sechs Variationen ├╝ber ein eigenes Thema vor: eloquent, gelassen, dabei aber temperamentvoll und mit angenehmem Ausdruck.
ÔÇ×Das war ein toller Start ins Beethovenjahr", res├╝mierte die Gie├čener Schulleiterin Katja Marauhn. Traxler dankte mit einem Gru├čwort der Wetzlarer Kollegen: ÔÇ×Beethoven ist nicht der schlechteste Anlass f├╝r eine Kooperation", sagte er, ÔÇ×toll, dass die Teilnehmer ihr K├Ânnen hier zeigen durften."