Publikum hellauf begeistert von Auftritt des Lenz-Trios im Rahmen der Europawoche

vom 05.05.2019

Von Heiner Schultz (Gießener Anzeiger) Erschienen am 05.05.2019 um 17:00 Uhr, zuletzt geĂ€ndert am 05.05.2019 um 19:31 Uhr

Eine seltene Gelegenheit zum Genuss rarer musikalischer Kostbarkeiten bot sich am Samstag im voll besetzten Hermann-Levi-Saal des Gießener Rathauses beim Kammerkonzert des Lenz-Trios im Rahmen der Europawoche.

GIESSEN - Eine seltene Gelegenheit zum Genuss rarer musikalischer Kostbarkeiten bot sich am Samstag im voll besetzten Hermann-Levi-Saal des Gießener Rathauses beim Kammerkonzert des Lenz-Trios im Rahmen der Europawoche. Susanne Oehler (Flöte), Karel Fleischlinger (Gitarre) und Torsten Oehler (Cello) musizierten auf höchstem Niveau mit hinreißendem GefĂŒhl und Engagement Werke von klassisch bis modern. Das Publikum war hin und weg.

Aus der Klassik in die Moderne - das war der Weg. Los ging es mit Antonio Lottis (1667 bis 1740) Sonate in G-Dur in vier SĂ€tzen fĂŒr Flöte, Gitarre und Cello. Ganz sanft, mit feinen Facetten begann das Trio, ein insgesamt zarter Duktus nahm fĂŒr sich ein. Dann etwas schneller, immer noch sacht, im Dritten weiter sanft, mit tollem Zusammenklang bei großen Kontrasten: Im Vierten trippelte die Flöte voran, das Cello fiel ein und man spĂŒrte eine fröhliche Aufbruchsstimmung.

Alsdann kamen MĂĄximo D. Pujols (*1957) zwei sehr zugĂ€ngliche "Dos Aires Candomberos" fĂŒr Gitarre und Flöte. Die Flöte schwebte flink, die Gitarre fĂŒgte sich tĂ€nzerisch ein, man blieb aber lyrisch leicht im Duktus, mit zarten, trĂ€umerischen, auch narrativen, zuweilen fast rockigen Elementen und zu Beginn thematischen AnklĂ€ngen an Jethro Tulls "Thick As A Brick".

Stepan Raks (*1945) "Dances con brio" in fĂŒnf SĂ€tzen ("In dieser Fassung eine WelturauffĂŒhrung", S. Oehler), zeigt dann konzentriert die StĂ€rken des seit dreißig Jahren bestehenden Ensembles. Nicht nur wurde anfangs mit Schmackes (con brio) und authentischem Tango-SchmĂ€h musiziert, es ging auch etwas lebhaft, zupackend, dann kraftvoll im Tonfall zu und mit ein paar etwas schrĂ€gen Elementen. Dann folgten "Valse", "Rumba", "Slowfox" und "Rak'n'Roll" mit jeweils genregerechter und engagierter Realisierung. Glanzlicht war der "Slowfox", der fast in Slowmotion ganz zart anhob, dann flott und kraftvoll loslegte, und schließlich zart ausklang: großartig.

Höhepunkt des Konzerts waren Jaime M. Zenamons (*1953) "Reflexoes No. 6" (1986) fĂŒr Gitarre und Cello in drei SĂ€tzen (Fluido, Doloroso, Vivissimo). Mit einem zarten Schweben beginnend wie ein Spaziergang, hörte man ein wunderbar mehrstimmig klagendes Cello und einen sehr attraktiven, langsamen instrumentellen Dialog: sehr besinnlich, sehr schön und fein. Dann wohltuend lebendig mit fabelhafter MelodiefĂŒhrung des Cellos; es gab verdient großen Applaus.

Nathan Koloskos (*1976) "Hungarian Trio" in vier SÀtzen schloss das Konzert ab. ZunÀchst etwas getragen musiziert, wurde es alsbald lebhafter, und die Zuhörer vernahmen ein feines Stimmen-Miteinander. Das war rhythmisch sehr wechselhaft und tönte teils sehr attraktiv orientalisch, allerdings empfindlich gestört durch anhaltendes lautes Programmgeraschel. Auch hier herrschte vollkommene dramaturgische Sicherheit mit perfekt gestalteten Dynamikwellen - zuweilen trÀumerisch gestaltet.

Dieses modernste Werk des Abends zeigte die ĂŒberragenden FĂ€higkeiten der Gruppe besonders deutlich: enorme Transparenz durch höchste Geschlossenheit, souverĂ€ne tonale AusdrucksfĂ€higkeit und nicht zuletzt eine spĂŒrbare Leidenschaft fĂŒrs Werk. Das Publikum war hingerissen und applaudierte sehr lange und lebhaft.