Musik aus West und Ost (Gießener Anzeiger)

vom 23.02.2018

KLASSIK Irina Hofmann und Hermann Wilhelmi mit Kompositionen aus der Zet um 1900 im Levi-Saal

GIESSEN: Irina Hofmann (Flöte) und Hermann Wilhelmi (Klavier) interpretierten am Wochenende Werke französischer und russischer Meister im Hermann-Levi-Saal. Kurz vorgestellt wurden die Stücke von Katja Marauhn, der Leiterin der Musikschule Gießen und Veranstalterin der Reihe "Lehrerkonzerte".

Das Programm bot Kompositionen aus der Zeit um 1900. Claude Debussys Stücke "La fille aux cheveux de lin" und "Prelude" aus der Suite bergamasque, Bearbeitungen von ursprünglichen Klavierkompositionen boten den Musikern Gelegenheit, Dialoge im Zusammenspiel voll zu entfalten. Debussys Klaviersolo "The little nigar", inspiriert durch neue Jazzrhythmen aus den USA, spielte Wilhelmi stilecht. Die folgende "Syrinx", Juwel solistischer Flötenmusik, bot Irina Hofmann Gelegenheit, ihr Können zu beweisen: Zu erleben war ein warmer voller Klang auch in tiefer Lage, in der Höhe silbrig hell.
Eingeleitet worden war das Konzert durch die eindrucksvollen Klänge von Benjamin Godards Valse op. 116 Nr. 3. Mit Erik Saties schlicht-anrührender Gymnopedie Nr. 1 endete der französische teil des Programms.

Ernesto Köhler, trotz des deutschen Nachnamens Italiener, wirkte jahrzehntelang als Soloflötist an der kaiserlichen Oper St. Petersburg und genoss europaweiten Ruhm als Virtuose. Zugleich mache er sich einen Namen durch seine Flötenschulwerke. Köhlers "Souvenier Russe" op. 60 bildete den Beginn des russischen Konzertteils, dem Stücke von Tschaikowsky und Rachmaninoff folgten. Nationalrussischen Charakter stellte Michail Glinkas "Vöglein" eigenständig dar, ebenso wie zwei Stücke Anatoli Ljadovs. Fikret Amirow (1922-1984) lebte und wirkte in Baku, heute Aserbaidschan. In dessen "Wiegenlied", "Tanz", "in den Bergen Aserbaidschans" und "Notturno", zum Abschluss des Konzerts, verbinden sich Elemente russischer undtürkischer Musik. Für Irina Hofmannbesitzen diese kleinen Musikjuwelen besondere Bedeutung. Der Komponist hatte sie ihrem Lehrmeister im Moskauer Konservatorium gewidmet. Ihre Interpretation bot interessante Verzierungen bis zur Vierteltönigkeit.

So entstand ein rundum gelungenes, virtuos musiziertes Programm; hartnäckiger Schlussbeifall erwirkte eine Zugabe.