Musik aus West und Ost (Gießener Allgemeine)

vom 22.02.2018

Gießen (pm). Werke französischer und russischer Meister fĂŒr Flöte und Klavier erklangen im Konzertsaal des Rathauses. Es musizierten Irina Hofmann (Flöte) und Hermann Wilhelmi (Klavier), den Besuchern kurz vorgestellt von Katja Marauhn, der Leiterin der Musikschule Gießen und damit der Veranstalterin unter der Reihe »Lehrerkonzerte«.

Ihr Programm bot Kompositionen aus der Zeit um 1900. Die »heile Welt« der damaligen Musikliebhaber geriet durch neue Dissonanzen aus den Fugen. Heute gilt Claude Debussy als ein Klassiker. In seinen StĂŒcken »La fille aux cheveux de lin« und »PrĂ©lude« aus der »Suite bergamasque«, Bearbeitungen von ursprĂŒnglichen Klavierkompositionen, ergab sich fĂŒr die AusfĂŒhrenden Gelegenheit, Dialoge im Zusammenspiel voll zu entfalten. Dessen Klaviersolo »The Little Nigar«, seinerzeit inspiriert durch die neuen Jazzrhythmen aus den USA, spielte Wilhelmi stilecht. Die folgende »Syrinx«, Juwel solistischer Flötenmusik, bot Irina Hofmann Gelegenheit, ihr Können zu erweisen: Warmer voller Klang auch in tiefer Lage, in der Höhe silbrig hell, niemals schrill. Eingeleitet worden war das Konzert durch die eindrucksvollen KlĂ€nge von B. Godards Valse op. 116 Nr. 3. Besonders berĂŒhrend war die darauffolgende »Sicilienne« von Gabriel FaurĂ© ebenso Rachmaninoffs »Vocalise«. Mit Erik Saties schlicht-anrĂŒhrender Gymnopedie Nr. 1 endete der französische Teil des Programms.

Ernesto Köhler, trotz des deutschen Nachnamens Italiener, wirkte jahrzehntelang als Soloflötist an der kaiserlichen Oper St. Petersburg und genoss europaweiten Ruhm als Virtuose. Zugleich machte er sich einen Namen durch seine Flötenschulwerke. Köhlers »Souvenir Russe« op. 60 bildete den Beginn des russischen Konzertteils. Es gehört zu den europÀisch geprÀgten russischen Werken, ebenso wie »April« aus »Die Jahreszeiten« von Peter Tschaikowsky und »Italienische Polka« von Rachmaninoff.

Nationalrussischen Charakter stellte Michail Glinkas »Vöglein« eigenstĂ€ndig dar, ebenso wie die beiden StĂŒcke »Regen« und »MĂ€rchen« des Anatoli Ljadov.

Fikret Amirow lebte und wirkte bis 1984 in Baku, heute in Aserbaidschan. In dessen »Wiegenlied«, »Tanz«, »In den Bergen Aserbeidschans« und »Notturno«, geboten zum Abschluss des Konzerts, verbinden sich Elemente russischer und tĂŒrkischer Musik. FĂŒr Irina Hofmann besitzen diese kleinen Musikjuwelen besondere Bedeutung. Der Komponist hatte sie ihrem Lehrmeister im Moskauer Konservatorium gewidmet. Ihre Interpretation dĂŒrfte daher in besonderer Weise den Intentionen des Komponisten folgen mit interessanten Verzierungen bis zur Vierteltönigkeit.

Ein rundum gelungenes und virtuos musiziertes Programm; hartnÀckiger Schlussbeifall erwirkte eine Zugabe. Diese kam wieder aus dem Westen, »La basque« des französischen Barockkomponisten Marin Marais.