Macht Musizieren schlau? (Giessener Allgemeine)

vom 19.06.2018

Eine Studie der UniversitĂ€t untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen musischer BetĂ€tigung und kognitiver Entwicklung bei Kindern gibt. Im Klartext: Machen Zeichenunterricht und insbesondere das Erlernen eines Instruments schlauer? Knapp 100 Jungen und MĂ€dchen aus Gießen und dem Umland machen mit.

Auf Ulrike Frischen wartet jede Menge Arbeit. Im Rahmen ihrer Dissertation betreut die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung fĂŒr Entwicklungspsychologie der Justus-Liebig-UniversitĂ€t eine Studie, in der untersucht wird, welchen Einfluss in erster Linie Musik-, aber auch Malunterricht auf die Entwicklung kindlicher Intelligenz haben. Es geht um Intelligenz, die FĂ€higkeit Probleme selbststĂ€ndig zu lösen und KonzentrationsfĂ€higkeit.

Im Sommer vergangenen Jahres hatten sich 110 Eltern gemeldet, die ihre Kinder, fast ausschließlich angehende ErstklĂ€ssler, an der wissenschaftlichen Untersuchung teilnehmen lassen wollten. Voraussetzung war, dass die Kinder zuvor noch keinen Instrumental- oder Zeichenunterricht bekommen hatten. »Aktuell machen noch 95 Kinder mit«, berichtet Frischen, die fĂŒr die Studie mit der kommunalen Musikschule Gießen und der Malschule Kreativraum zusammenarbeitet. Dort konnten die Kindern dieser Tage bei einem kleinen Konzert und einer Ausstellung zeigen, was sie im zurĂŒckliegenden Jahr schon alles gelernt hatten.

Von September bis Mai haben die Kinder in drei- bis fĂŒnfköpfigen Kleingruppen kostenlos einmal pro Woche jeweils eine Dreiviertelstunde Unterricht in Musik und Malen bekommen. Gitarre, Klavier, Blockflöte, Geige, Trompete und Saxofon konnten die zu Beginn Sechs- bis SiebenjĂ€hrigen als Leihinstrumente auswĂ€hlen. Die Zuweisung in die verschiedenen Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Kinder, die einer Warte-Kontrollgruppe zugeordnet wurden, gehen aber auch nicht leer aus, sondern erhalten Unterricht nach Abschluss der Untersuchungen.

Alle haben profitiert

Das Ergebnis der Studie wird allerdings erst gegen Ende des Jahres vorliegen. Bis dahin durchlaufen die Kinder noch diverse Tests und anschließend mĂŒssen die einzelnen Ergebnisse ausgewertet werden. »Das dauert natĂŒrlich lange«, sagt Frischen. Getestet werde außerdem drei Monate nach Ende des Unterrichts, wie nachhaltig das Erlernte war. Noch ist offen, ob sich am Ende tatsĂ€chlich herausstellt, dass Musik- und Zeichenunterricht tatsĂ€chlich dazu beitragen, die kognitive Entwicklung der Kinder zu fördern. Aber eine Ă€hnliche Studie aus Kanada hat ergeben, dass Teilnehmer einer Musikgruppe nach dem Training einen grĂ¶ĂŸeren Zuwachs an Intelligenzquotients-Punkten aufwiesen im Vergleich zu einer Theatergruppe und zu einer Gruppe ohne Förderung. Die Kinder der Theatergruppe zeigten allerdings nach dem Training ein besseres Sozialverhalten im Vergleich zu den anderen Gruppen.

Doch egal wie die Gießener Studie auch ausgehen mag: Vom Instrumental- und Zeichenunterricht haben die Kinder auf jeden Fall profitiert. »In beiden Gruppe wollen einige auch weitermachen«, freut sich Frischen. (Von Karola Schepp)