Anlass für fast 40 junge Flötisten, Streicher und Bläser, sich an Menuette, Scherzo und Co. bekannter und unbekannter großer Meister der klassischen Musik zu wagen, war das 20-jährige Bestehen der kommunalen Musikschule Gießen.
„Selten ist es bei Musikschulkonzerten so voll“, freute sich Leiterin Katja Marauhn über die zahlreichen Gäste, von denen die letzten gleich mit Stuhl in den Konzertsaal strömten, um Gustav Holst, Charles Gounod und anderen im Sitzen lauschen zu können. Mehrere Wochen in den Sommerferien, ganze Wochenenden sogar, hatten die Nachwuchsmusiker mit Joseph Haydn und dessen Nachfolgern und Kollegen aus dem 19. Jahrhundert verbracht. Sei es die Brook Green Suite für Streichorchester oder Haydns Militärsinfonie von Adagio über Allegretto, Menuett und Finale am Ende des Konzerts, es sei wichtig, dass „unsere Schüler das jeweilige Konzertstück als Ganzes lernen“. Gleiche Professionalität war bei der Besetzung der einzelnen Stücke zu beobachten. Trompete, Klarinette oder Flöte mussten auch mal still auf dem Schoß gehalten werden, „damit unsere Bläser früh lernen, solistisch zu spielen“. Auch wenn sie nicht alle zu Berufsmusikern würden, so Marauhn weiter, „sind unsere Schüler doch das Konzertpublikum von morgen“. Deshalb die Arbeit am Detail.
Beginnend mit einer Gesamtprobe noch vor den Sommerferien, waren zwei Ferienwochen reserviert für die Proben der einzelnen Stimmen, hin und wieder sei auch mal eine „Reparaturprobe“ vonnöten gewesen, ergänzte Marauhn lachend. „Wir wollen ein Erfolgserlebnis für jeden unserer Schüler.“ „Nur wenn jeder seine Stimme kann und sich nicht hinter den anderen verstecken muss“, sei das möglich. Dass ein Orchester der beste Ort ist, um den Neun- bis 18-Jährigen nachhaltige Freude am Musizieren zu vermitteln, darin sahen sich Marauhn und ihre Kollegen von der Gießener Musikschule durch den tosenden Applaus der Gäste bestätigt.
In einem Wechsel aus mal leichtfüßigen solistischen Passagen, mal ohrenbetäubender Orchesterlautstärke, war es dem bühnenreifen Nachwuchs unter Dirigent Martin Gärtner gelungen, nicht nur Eltern den Freudentränen nahe oder zum pausenlosen Festhalten der Videokamera zu bringen, sondern den gesamten Konzertsaal mit Atmosphäre zu füllen und selbst musikalischen Laien die Ohren zu öffnen für weniger bekannte Musikwelten. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Edwin Kullek, Vorsitzender des Fördervereins der Musikschule Gießen, sagten ein paar Worte zu Beginn und am Ende des über einstündigen Klangerlebnisses, nicht ohne zu betonen, der Welt der Musik auch tatsächlich den Vorrang einräumen zu wollen und kurz all denjenigen zu danken, die die Arbeit des im vergangenen Jahr verstorbenen Ideengebers und Initiators der Musikschule, Karl Theo Sames, so engagiert fortführten.
© Gießener Anzeiger 2011 - http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten/print_11103182.htm

