Beschwingte Melodien mit Natalia Hähn und Lothar Krahl; am Klavier Natalie Lunewski. Foto: red

Lebensfreude und Champagnerseligkeit

vom 01.03.2011

Konzert zum 20-jährigen Bestehen der Musikschule Gießen mit Melodien aus Operette, Film und Musical (Gießener Anzeiger)

(rfi). Am Sonntagabend fand im Konzertsaal des GieĂźener Rathauses unter dem Motto „Schön war die Zeit“ ein Konzert mit Melodien aus Operetten, Musicals sowie Filmen der 30er und 40er Jahre statt. Anlass war das 20-jährige Bestehen der GieĂźener Musikschule. Es sangen und spielten Natalia Hähn (Sopran), Lothar Krahl (Bassbariton) und Natalie Lunewski (Klavier). Das Konzert erfĂĽllte alle WĂĽnsche des dankbaren, recht zahlreich erschienenen Publikums. 

Die Sänger wechselten - den unterschiedlichen Rollen entsprechend - oft ihre KostĂĽme und boten die musikalischen Darbietungen in halbszenischer Form dar. Sie sangen mit soviel vokalem Schmelz, dass das Publikum verzaubert wurde. Schon das erste StĂĽck, ein Duett aus Ralph Benatzkys Operette „Im weiĂźen Rössl“, verbreitete ĂĽberschäumende Lebensfreude und Champagnerseligkeit. Lothar Krahl verfĂĽgt ĂĽber einen warmen Bassbariton mit sonorem Timbre; Natalia Hähn hat eine glockenreine Sopranstimme und eine groĂźe vokale Bandbreite von der Soubrette bis zur dramatischen Sängerin. Die Vielseitigkeit der beiden Interpreten zeigte sich auch im Lied „Du hast GlĂĽck bei den Frauen“ aus dem Film „Bel Ami“ (1939) und dem berĂĽhmten Duett „Lippen schweigen“ aus Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“. Dabei erwies sich die Pianistin Natalie Lunewski als ebenso einfĂĽhlsame wie dezente Begleiterin. Sie verfĂĽgt ĂĽber eine breite Palette an Anschlagsnuancen. 

FĂĽr „Wenn ich einmal reich wär“ des Milchmanns Tevje aus „Anatevka“ zog sich Krahl um und trat mit einer Milchkanne auf. Er sang die Arie klangvoll und mit guter Textverständlichkeit. Aus Emmerich Kálmáns Operette „Gräfin Mariza“ erklang die Arie „Komm Zigan“, wobei dem Bassbariton die Spitzentöne besonders gut gelangen. Danach sang die Sopranistin die Arie „Ich bin die Christel von der Post“ aus dem „Vogelhändler“ von Carl Zeller und bewies komödiantisches Geschick. 

„Old man river“ aus „Show Boat“ setzte nachdenkliche Akzente. Aus dem „Blauen Engel“ (1930) bot Natalia Hähn den weltberühmten Schlager „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ stilsicher im Kostüm der 20er Jahre dar. Abschließend musizierten die Künstler das Duett „Ich brauche keine Millionen“. Die zündenden Melodien dieses Rausschmeißers entwickelten vollends Ohrwurmqualitäten. Das begeisterte Publikum erklatschte sich eine Zugabe.