Dirigent Martin Gärtner und das Orchester der Musikschulen Butzbach und Gießen im Konzertsaal des Rathauses. (Foto: mkg)

Die Freude am Musizieren

vom 29.08.2011

Orchester spielt mit lebhaftem Spaß am musikalischen Detail (Gießener Allgemeine)

Die Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus. Neben zahlreichen Ehrengästen aus Politik und Kultur erlebte ein musikbegeistertes Publikum am Samstag im Konzertsaal des Rathauses ein vortreffliches Sinfoniekonzert mit Schülern der

Musikschulen Gießen und Butzbach.

In ihrer Begrüßungsansprache unterstrich Katja Marauhn, Leiterin der Gießener Musikschule, dass musikalische Erziehung nicht nur der »Bespaßung« diene, sondern »Konzentration und Kondition« und das »soziale Miteinander« fördere. Eine Hauptaufgabe des Musikunterrichts sei es, zu motivieren ohne »zu überfordern, sondern herauszufordern«. Dies bedeute für eine musikpädagogische Einrichtung in kommunaler Trägerschaft vor allem auch, dass sie für »alle Stilrichtungen« offen bleibe.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz würdigte die nunmehr 20 Jahre andauernde Arbeit der Musikschule. Heute sei die musikpädagogische Einrichtung »elementarer Bestandteil« des kulturellen Bildungsangebots mit »sozialverträglichen Gebühren«.

Grabe-Bolz akzentuierte außerdem die Bedeutung der Kunstform: Das »Taktgefühl« bilde den Menschen ganzheitlich und vermittle über den Unterricht eine »musikalische Sprache«.

Unter der Leitung von Martin Gärtner hatte das Orchester ein anspruchsvolles Programm einstudiert. Das Lächeln auf dem Gesicht des Dirigenten während des Konzerts verriet seine Zufriedenheit – die auch vom Auditorium hörbar geteilt wurde.

Mit leichtfüßigem Streicherklang wurde der Konzertabend mit dem Instrumentalstück »Brook Green Suite« des englischen Komponisten Gustav Holst eröffnet. Ihr folgte, mit lebhaftem Spaß am Detail, die heitere Bläserkomposition »Pétite Symphonie« für Flöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten und zwei Fagotte von Charles Gounod. Besonders der mittlere Konzertteil mit einem Orchesterwerk von Frederick Delius war eine musikalische Kostbarkeit. Die poetische Kraft der Deliusschen Musik, vor allem in »Summer night on the river«, musizierte der Klangkörper mit rhythmischer Raffinesse und eindrucksvoll sicher in den einzelnen Instrumentengruppen. Das anschließende Intermezzo mit zwei Menuetten von Giacomo Puccini öffnete die Ohren für die am Programmende stehende Sinfonie Nr. 100 (»Militärsinfonie«) von Joseph Haydn. Mit Verve und purer Musizierlust interpretierte das Orchester das Allegretto, dessen donnernde Paukenschläge sich bis zum Finale Presto fortspannen und die Vitalität des Ensembles zum Ausdruck brachten.

Bei dem sich anschließenden Empfang im Foyer verband sich die Freude über einen gelungenen Abend mit der Vorfreude auf zukünftige Projekte. Das Jubiläumskonzert hat die Erwartungen übertroffen und der Musikschule Gießen seien Shakespeares Worte auf die Geburtstagskarte geschrieben: »Wenn Musik die Nahrung der Liebe ist, spielt weiter; gebt mir im Übermaß davon.« mkg

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