Vitalina Pucci (Klavier), Theresa Heinz (Gesang), Nadja Schneider (Cello) und Polina Blüthgen (Flöte) beim Schlussapplaus (von links). (Foto: jou)

Bei Belle Mélange ist der Name Programm - Gießener Allgemeine

vom 15.09.2011

»Liebe, Leidenschaft und andere Katastrophen« (Gießener Allgemeine)

Beim Ensemble »Belle Mélange« ist der Name Programm: Im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der Musikschule fanden die vier jungen Künstlerinnen im Rathaussaal zum Thema »Liebe, Leidenschaft und andere Katastrophen« eine äußerst ausgewogene Mischung.

Theresa Heinz (Gesang), Vitalina Pucci (Klavier), Polina Blüthgen (Flöte) und Nadja Schneider (Cello) beleuchteten die Zweisamkeit in unterschiedlichen Spielarten – von Schmetterlingen im Bauch über das Lügen und Hintergehen bis zur Trennung. Auch ruhige, nachdenkliche Momente kamen nicht zu kurz, so etwa in dem Lied »Wenn ich könnte« von Christiane Weber und Timm Beckmann. In Annett Louisans »Liebeslied« brachte Heinz das Gefühl des Verliebtseins glaubhaft herüber und zog die Hörer durch die eingängige melodische Gestaltung in Bann. In »Sprung in der Platte«, einer weiteren Komposition von Weber und Beckmann, bewies die Sängerin ihre Vielseitigkeit, vermittelte eindringlich innere Wut. Heinz passte mit ihrer wandlungsfähigen Stimme Tonfall und Ausdrucksgestus durchweg gekonnt dem jeweiligen Stil der Stücke an und wurde vorzüglich aufeinander eingespielt von Pucci, Blüthgen und Schneider unterstützt.

Komödiantisches Talent demonstrierte die Sängerin, die einst selbst Schülerin der Musikschule war und in Hamburg eine Ausbildung zur Bühnendarstellerin absolvierte, in Georg Kreislers schrägem, humorvollem Lied »Das herrliche Weib«. Zum Höhepunkt geriet der Song »Er war gerade 18 Jahr’« über vergangenes Glück einer reifen Frau. Hier ließ Heinz mit ihrer Sensibilität und ihrem Sinn für Wohlklang das Publikum regelrecht dahinschmelzen; die farbige Begleitung unterstrich die Stimmung. Mit verführerischem Charme interpretierte sie die Habanera aus Georges Bizets Oper »Carmen«. Im Ganzen trug die lockere, ungezwungene Art, mit der sie zu moderieren wusste, zum Vergnügen entscheidend bei. Besonders amüsierte das Lied »Wegen Emil seine unanständ’ge Lust« aus den 1920er Jahren, das vom Schlankheitswahn handelt und weit in die Zukunft zu weisen scheint.

Instrumentale Akzente setzte »Meggie’s Theme« aus dem Fernsehmehrteiler »Die Dornenvögel«. Pucci, Blüthgen und Schneider ließen in dem schwelgerischen Stück die Melodie recht weitläufig dahinströmen und verführten die Hörer dazu zu entspannen. Ebenso ausgefeilt gelang Astor Piazzollas berühmter »Libertango«, in dem Leidenschaft und Sehnsucht im Mittelpunkt standen. Das Trio bot ihn ziemlich energisch dar, vermied es, die Schroffheiten zu glätten.

Mit ihrer beseelten Hingabe und ihrem untrüglichen künstlerischen Geschmack dürften die Musikerinnen auch künftig beste Erfolgsaussichten haben. Für den begeisterten Applaus dankten sie mit einer Zugabe. jou

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