Ein perlendes Vergnügen (von links): Ilona Sandor, Theresa Heinz, Yannick Bernsdorff, Isabell Schmitt, Katharina Sahmland, Anke Haas, und Gabriela Tasnadi. Foto: Schultz

Auf den Wogen des Gefühls (Gießener Anzeiger)

vom 10.09.2018

Ehemalige der Musikschule Gießen mit einem „Feuerwerk der Stimmen" im Hermann-Levi-Saal Von Heiner Schultz

Auf den Wogen des Gefühls
BÜHNE Ehemalige der Musikschule Gießen mit einem „Feuerwerk der Stimmen" im Hermann-Levi-Saal
Von Heiner Schultz
GIESSEN. Ein „Feuerwerk der Stimmen" war angekündigt. Und nicht weniger als ein reines, ungetrübtes Vergnügen erlebten die Besucher des Hermann-Levi-Saals am Sonntag. Gabriela Tasnadi und die Musikschule Gießen hatten ehemalige Schüler eingeladen, ein Konzert zu geben. Und eine Handvoll Ehemaliger, inzwischen erfolgreich im Beruf angekommen, musizierte ausnahmslos auf höchstem Niveau. Allen voran zeigte sich die international erfahrene Pianistin Ilona Sndor von der Hochschule für Musik und Kunst Frankfurt kompetent einfühlsam und unerschütterlich zuverlässig, Eigenschaften, die die Solisten sichtbar zu schätzen wussten - so tief im Stück ist nicht jede Begleiterin.
Zum Auftakt sang Gastgeberin Gabriela Tasnadi, natürlich, Johann Strauss' „Ich lade gern mir Gäste ein" aus der „Fledermaus". Mit voller Operettenverve, technisch untadelig und mit warmer Emotion war das schon ein Vorgeschmack der kommenden Wohltaten: Gefühl war Trumpf.
Das zeigte auch Katharina Sahmiand, Absolventin der Gießener Musikschule (GM). Mit sicherer Intonation und guter Sprachverständlichkeit wirkte sie überzeugend und nuanciert. Da wurde nicht nur Mozarts „Giunse alfin il momento" aus dem „Figaro" zum Genuss. Isabell Schmitt überzeugte mit „Tornami a vagheggiar" aus Händels „Alcina". Das klang glockenklar, reif und schön. Mit „Regnava nel silenzio" aus „Lucia di Lammermoor" von Donizetti lieferte sie dann einen Höhepunkt des Programms: eine solch vollkommene Ausgewogenheit des Stimmklangs konnte niemand sonst realisieren. Aber das war noch nicht alles. Theresa Heinz, Gießener Absolventin, Frontfrau der „Beile Melange" und dreifache Chorleiterin, legte eine himmlisch zarte Version des Welterfolgs „Cry Me A River" von Arthur Hamilton hin, die spürbare Wirkung im Publikum hinterließ. Kein Wunder, sie sang ohne jeden im Blues sowieso überflüssigen Schnörkel und öffnete ihr Herz: einfach wunderbar. Zuvor schon hatte sie mit „The Girl In 14 g" (Jeanine Tesori) mitreißendes Temperament und tänzerische Fähigkeiten verwoben.
Weiter ging's auf höchstem Niveau mit Anke Haas, die 2008 Stipendiatin der Wagner-Stiftung war. Rundum gefestigt, mit schönem Klang im klassi schen Duktus, verströmte auch sie großes Gefühl. Yannick Bernsdorff legte mit „Konfrontation" aus „Jekyll & Hyde" eine sehr gute Performance hin, später zeigte er im Duett mit Theresa Heinz eine Topleistung mit „1'd Give lt All For You": Ausdruck, sauberstes Handwerk und keine Manierismen. Aber auch Gabriela Tasnadi legte noch eine expressive Schippe drauf. Mit „Habanera" aus Bizets „Carmen" (,‚Die Hymne aller Sopranistinnen") segelte sie traumhaft sicher auf den Wogen des Gefühls, da stimmte alles.
Insgesamt ein herausragendes Konzert echter Profimusiker, das große Vielfalt frei von Beliebigkeit und packende Intensität auf höchstem Niveau bot - und das zum Sonderpreis. Dafür gab's donnernden Beifall des hingerissenen Publikums.